"Das sind die Spiele, die ich mag"

Interview mit Leonardo Bittencourt
Atmosphärisches Debüt: Leonardo Bittencourt bei seinem ersten Werder-Einsatz (Foto: nordphoto).
Profis
Mittwoch, 18.09.2019 / 12:37 Uhr

Das Interview führten Markus Biereichel und Yannik Cischinsky

Sein erster Einsatz im Werder-Trikot war gleich ein ganz schön nervenaufreibender. Leonardo Bittencourt stand im Duell mit Union Berlin nicht zuletzt in der Schlussphase im Mittelpunkt. Mit einer kämpferischen, leidenschaftlichen Leistung hinterließ der gebürtige Leipziger Eindruck, auch bei den Werder-Fans, vor denen er kommendes Wochenende sein erstes Heimspiel bestreiten wird. Im Interview mit WERDER.DE blickt Bittencourt auf sein Debüt, den Zweikampf mit Neven Subotic und die Begegnung mit den "Roten Bullen" aus seiner Heimatstadt.

WERDER.DE: Es war ein spektakuläres erstes Spiel für Werder: Wie zufrieden bist du und wie gut hast du dich zurechtgefunden mit deinen neuen Teamkollegen?

Leonardo Bittencourt: „Ich bin sehr zufrieden. Es war ein Arbeitssieg. Die Art und Weise der Mannschaft hat mich sehr stolz gemacht, denn es war kein leichtes Spiel, wenngleich man bei Union als Aufsteiger vermeintlich die Punkte holen muss. Die Unioner leben von Adrenalin und haben ihre Chance gewittert. Wir hatten einen Holperstart, wenn man so möchte, und deshalb waren es mit Blick auf die Gegner der nächsten Wochen ganz wichtige drei Punkte.“

WERDER.DE: Am Samstag wirst du zum ersten Mal als Werderaner im wohninvest WESERSTADION auflaufen. Wie sehr freust du dich darauf?

Leonardo Bittencourt: „Ich freue mich sehr darauf, auf die Bremer Kulisse. Es war bisher immer sehr laut und als Gegner nicht immer leicht, hier zu spielen. Es ist mal schön, auf der anderen Seite zu stehen.“

Leonardo Bittencourt is looking forward to a duel with Union for the first home game (Photo: nordphoto).

WERDER.DE: Leipzig ist eine Top-Mannschaft. Uns fehlen mit Nuri Sahin, Philipp Bargfrede und Kevin Möhwald alle gelernten ‚Sechser‘. Wie könnt ihr das als Offensivspieler mit auffangen?

Leonardo Bittencourt: „Indem wir defensiv mehr Verantwortung übernehmen. Natürlich ist es einfacher als Offensiver einen gelernten Sechser im Rücken zu haben, der Wege zuläuft und Situationen besser erkennt. Da kannst du offensiver denken. Es wird wieder nur mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung klappen.“

WERDER.DE: Kannst du eigentlich als ‚Sechser‘ spielen?

Leonardo Bittencourt: „Ich habe in Hoffenheim tatsächlich einige Spiele auf der ‚Doppel-Sechs‘ absolviert. Wenn es sein muss, mache ich es, die Mentalität dafür habe ich, aber in puncto Robustheit und taktischer Disziplin bin ich vielleicht etwas zu wild oder denke zu offensiv. Es ist nicht unbedingt meine Position.“

WERDER.DE: In den zehn Tagen waren viele Nationalspieler und Verletzte gar nicht da. Wie funktioniert das Zusammenspiel auf dem Platz?

Leonardo Bittencourt: „Dass nicht alle Abläufe funktionieren und es leichte Anpassungsschwierigkeiten gibt, ist logisch. Aber ich kenne die Liga, ich spreche die Sprache und ich habe eine gewisse Erfahrung. Man kann mich auf dem Platz unterstützen. Entscheidend war, dass wir gewonnen haben.“

Kleinigkeiten sind auf diesem Level entschiedend.
Leonardo Bittencourt

WERDER.DE: Ist es hilfreich, mit Spielern wie Yuya, Nuri und Claudio auf dem Platz zu stehen, mit denen du bei anderen Vereinen gespielt hast oder ist das irrelevant, weil sie ganz andere Vorgaben bekommen?

Leonardo Bittencourt: „Ja, sie bekommen andere Vorgaben, aber es sind die gleichen Spielertypen mit den gleichen Stärken und der gleichen Art, Fußball zu spielen. Ich weiß, was Nuri für Bälle spielen kann, selbst wenn er dich nicht sieht. Ich weiß, auf welchem Fuß Yuya angespielt werden möchte, wenn er mit dem Rücken zum Tor steht. Das hilft. Kleinigkeiten sind auf dem Level entscheidend.“

WERDER.DE: Hat dir dieser auf vielen Ebenen anstrengende, emotionale Sieg gegen Union Berlin bei der Identifikation mit Werder geholfen?

Leonardo Bittencourt: „Das weiß ich nicht. Es sind auf jeden Fall genau die Spiele, die ich mag. Das war ein toller Auftakt mit einem positiven Ende. Das macht es leichter, in die Mannschaft zu kommen, wenn man so etwas gemeinsam übersteht. Als Neuzugang hilft dir so ein Sieg zum Start enorm.“

Hat nur wenig Zeit, sich einzufügen: Leonardo Bittencourt (Foto: nordphoto).

WERDER.DE: War mit Neven Subotic eigentlich noch eine Rechnung offen?

Leonardo Bittencourt: „Nicht, das ich wüsste (lacht).“

WERDER.DE: Du kennst ihn gut. Ihr habt bei Dortmund und in Köln zusammengespielt…

Leonardo Bittencourt: “Am Samstag hatte er ein rotes und ich ein weißes Trikot an, da verteidigt jeder seine Mannschaft. Er ist nicht der Typ, der jemandem wehtun möchte. Das Foul war unglücklich und er ist zwei Köpfe größer, was das Ganze noch etwas anders aussehen lässt. Ich nehme ihm das überhaupt nicht übel.“

WERDER.DE: Im Training ist zu beobachten, dass du viel mit Florian Kohfeldt und Ilia Gruev sprichst. Worüber diskutiert ihr?

Leonardo Bittencourt: „Die Zeit ist knapp und die Spieler sind knapp, also muss ich umso schneller lernen. Ich bin neu und habe keine lange Vorbereitung, mir die Dinge anzuschauen und reinzukommen. Beide versuchen mir viele Ratschläge mit auf den Weg zu geben. Der Austausch ist sehr intensiv. Ich möchte so schnell wie möglich verstehen, wie gespielt wird, warum so gespielt wird.“

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19.10.2019 / 19:25 / Profis

WERDER.DE: Verspürt man eigentlich besonderen Druck, wenn der Trainer öffentlich sagt, dass man sein Wunschspieler ist?

Leonardo Bittencourt (schmunzelt): „Man liest das natürlich sehr gerne. Ich hoffe, dass ich dem gerecht werde. Ich werde alles dafür tun, ihn nicht zu enttäuschen. Druck verspürst du an jedem Wochenende. Das Geschäft ist hart und schnelllebig. Damit kann ich sehr gut umgehen. Ich verspüre eher Freude.“

WERDER.DE: Fühlt man sich also sogar sicherer?

Leonardo Bittencourt: „Selbstverständlich gibt dir Vertrauen eine gewisse Sicherheit, denn in dem Geschäft spielt sich vieles im Kopf ab und es herrscht große Konkurrenz. Man muss ohnehin auf seine Qualitäten vertrauen, jeden Tag wach sein, sonst geht es schnell in eine andere Richtung. Es gibt viele Jungs mit großer Qualität, bei denen der Kopf nicht mitspielt.“

 

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