Von Pfostenbruch und Meistersprung

Werders Torwart-Legende Günter Bernard feiert 80. Geburtstag
Unmittelbar vor dem Pfostenbruch: Werders Torwart-Ikone Günter Bernard (re.) und Herbert Laumen von Mönchengladbach (Foto: imago).
Sonstiges
Montag, 04.11.2019 / 16:47 Uhr

Einen seiner legendärsten Sprünge machte Günter Bernard nach Schlusspfiff. Damals, im Mai 1965, vor über einem halben Jahrhundert, setzte der kleingewachsene Werder-Keeper zu einem Sprung an. Gerade hatten die Grün-Weißen vom Unentschieden des Konkurrenten aus Köln erfahren: Werder war zum ersten Mal Meister. Die pure Freude Bernards und seiner Teamkollegen brach sich Bann – und ein bis heute legedäres Foto hielt den Moment für die Ewigkeit fest. Am heutigen Montag feiert der Meister-Keeper seinen 80. Geburtstag. WERDER.DE blickt zurück auf einen Grün-Weißen, der eigentlich gar nicht lange in Bremen verweilen wollte.

Denn als der gebürtige Schweinfurter Bernard im Mallorca-Urlaub 1963 seinen ersten Vertrag für den SV Werder unterzeichnete, war für ihn klar: Nach zwei Jahren ist Schluss und es geht zurück in den Süden. Es kam anders. Seit 56 Jahren wohnt Bernard mittlerweile in der Hansestadt. Für den SVW bestritt er 351 Pflichtspiele. Neben dem sensationellen Meisterjahr, in dem Bernard alle 30 Bundesliga-Partien bestritt, gehörte der Torhüter auch sechs Jahre lang zum Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft.

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So auch bei der Weltmeisterschaft 1966. Als sich Stammtorhüter Hans Tilkowski im Halbfinale verletzt und auch Sepp Maier nicht zur Verfügung stand, hätte beinahe die große Stunde Bernards geschlagen. Das Finale gegen England spielte Tilkowski trotz Schmerzen, Deutschland unterlag und Bernard spielte lediglich eine Partie Tennis mit Maier, während sich die Mannschaft in der Besprechung auf das große Spiel vorbereitete. Und so reichte es im DFB-Dress "nur" für fünf Einsätze, 25 Mal saß Barnard auf der Bank. Den lagjährigen Werderaner aber als „ewigen Reservisten“ zu bezeichnen, würde seinen Verdiensten aber nicht gerecht werden. 

Das wohl kurioseste Spiel seiner Karriere auf Vereinsebene erlebte der nur 1,79 Meter große Schlussmann 1971 am Gladbacher Bökelberg. Nachdem Bernard eine Flanke pariert hatte, war Borrussias Herbert Laumen beim Versuch des Kopfballs ins Tornetz gesprungen. Die Folge ist nicht nur allen Fußballfans in Erinnerung geblieben, sondern sollte den Weltfußball nachhaltig verändern: Der Holzpfosten brach, konnte nicht repariert werden, die Partie wurde abgebrochen und Werder gewann am „grünen Tisch“ mit 2:0. Seitdem besteht das Gestänge aus Aluminium.

Der gebrochene Pfosten wurde anlässlich Werders hundertjährigem Vereinsjubiläum im Bremer Focke-Museum ausgestellt, Arnold „Pico“ Schütz und Günter Bernard erinnerten sich bei WERDER.TV an damals (jetzt anschauen). „Das war schon kurios“, so Bernard, der seine Karriere nach dem Ende bei Werder nach der Saison 1973/74 noch zwei Jahre beim SV Atlas Delmenhorst ausklingen ließ. Bremen und Werder ist er, trotz ganz anderer Pläne, bis heute treu geblieben. Herzlichen Glückwunsch, Günter Bernard.

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